Über Minsk nach Neuhardenberg

Frankfurt (Oder) (moz) Am Sonntag feierte André Winter seinen 25. Geburtstag. Das schönste Geschenk will sich der Gewichtheber vom AC Airport Neuhardenberg aber in der kommenden Woche selbst bereiten. An der Seite von Olympiasieger Matthias Steiner und Vize-Europameister Almir Velagic, die beide im Superschwergewicht starten, geht der 77-Kilo-Mann bei den Europameisterschaften in Minsk für Deutschland an die Hantel.

Von einer Medaille wie seine beiden Teamkollegen wagt André Winter freilich nicht einmal zu träumen. „Dazu reicht mein Leistungsvermögen noch nicht aus“, gibt der Schützling von Detlef Blasche am Frankfurter Olympiastützpunkt freimütig zu. „Aber ich will an meine Bestleistungen
herankommen, sie möglichst steigern. Wenn das zu einem Platz unter den Top Ten reicht, wäre ich sehr zufrieden.“

140 Kilogramm im Reißen und 178 im Stoßen hat André, dessen jüngerer Bruder Ronny (21) ebenfalls Gewichtheber ist, in seinem Rekordbuch zu stehen. Das macht in der Addition 318 kg im olympischen Zweikampf. Sieben Kilo mehr haben im vergangenen Jahr in Bukarest zum achten Platz gelangt.

Um das zu erreichen, hat Winter in den zurückliegenden Wochen mehrere hundert Tonnen Eisen bewegt. „Die Form ist gut, könnte allerdings etwas besser sein“, erzählt der zurzeit arbeitslose Kaufmann für Kommunikation. „Eine Erkältung hat mich etwas im Training gebremst. Trotzdem bin ich zuversichtlich für Minsk.“

Seit seinem sechsten Lebensjahr haben es dem gebürtigen Marxwalder, heute Neuhardenberg, die schweren Lasten angetan. „Wenn man in dem Gewichtheber-Dorf schlechthin groß wird, muss man einfach bei dieser Sportart landen“, erzählt André Winter. Mittlerweile steht hinter seinem Namen aber oftmals die Ortsangabe Müncheberg.

„Das hat damit zu tun, weil meine Eltern vor Jahren sich dort ein Haus gebaut haben und jetzt da wohnen. Ich selbst bin aber in Frankfurt im Sportinternat zu Hause“, erklärt der junge Mann mit den starken Muskeln das Verwirrspiel. Demnächst könnte sogar noch Eisenhüttenstadt hinzukommen. Denn der Deutsche Meister hat sich für eine Ausbildung innerhalb des Sportprojektes an der dortigen Landesfeuerwehrschule beworben. Und hätte da beispielsweise mit den Olympiazweiten Mirko Englich (Ringen) und Roger Kluge (Radsport) durchaus sportliche Vorbilder an der Seite. „Olympia ist auch mein Ziel. 2012 in London will ich dabei sein“, sagt André Winter. Weiß aber auch, dass er bis dahin noch kräftig an Leistung und Lasten draufpacken muss. Die Weltspitze im Mittelgewicht geht bei 340 Kilogramm im Zweikampf los.

Nach der EM wartet auf Winter gleich noch ein weiterer wichtiger Wettkampf. Am 1. Mai ist sein Verein AC Neuhardenberg erstmals Gastgeber für die Bundesliga-Endrunde. Titelverteidiger Chemnitzer AC mit Olympiasieger Steiner und Germania Obrigheim mit EM-Vize Velagic werden dann die Kontrahenten im Kampf um die deutsche Mannschaftsmeisterschaft sein.

„Für uns ein Riesenereignis, dem schon alle im Verein entgegenfiebern“, erzählt André Winter. Seine Kawasaki wird der passionierte Motorradfreak bis dahin wohl noch etwas schonen. „Mein Trainer sieht es nicht so gern, wenn ich mit der Maschine durch die Gegend fahre. Er hat Angst, ich könnte stürzen und mich dabei verletzten. Aber mir macht das Motorradfahren großen Spaß.“